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Bibliographische Angaben zur Publikation

Kleine Menschen ganz groß: Kleinwüchsige Menschen können mit etwas Hilfe ein ganz normales Leben führen


Autor/in:

Tietze, Vera


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

HANDICAP, 2009, 16. Jahrgang (Heft 1), Seite 128-131, München: Belitz & Neumann


Jahr:

2009



Abstract:


Kleinwuchs ist eine Wachstumsstörung. Wer als Erwachsener maximal 1,50 Meter beziehungsweise nach dem Schwerbehindertengesetz 1,40 Meter misst, gilt als kleinwüchsig. Viele kleinwüchsige Menschen sind in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt und müssen gegen Schmerzen ankämpfen. So können bereits alltägliche Situationen Hindernisse darstellen. Trotzdem gelingt es vielen Betroffenen mittels moderner Technik ein Leben ohne wesentliche Einschränkungen zu führen.

In Deutschland leben etwa 80.000 Menschen mit Kleinwuchs, der in über 100 Erscheinungsformen existiert. Die 37-jährige Monika S. hat Achondroplasie, die häufigste Variante, die auf eine genetische Veränderung zurückzuführen ist. Bei Menschen mit Achondroplasie erscheinen die Proportionen des Körpers verschoben, denn Oberarme und Oberschenkel sind kurz, der Rumpf relativ lang und der Kopf verhältnismäßig groß.

Monika S. misst 1,35 und ist aufgrund ihrer Behinderung in der Beweglichkeit eingeschränkt. Sie arbeitet seit zwölf Jahren in der Finanzbuchhaltung des Landratsamts der Stadt Mindelheim im Allgäu. Dort ist ihr Arbeitsplatz genauso ausgestattet wie der ihrer durchschnittlichen Kollegen, allerdings verfügt sie über einen Rollhocker, mit dem sie sich zu höher gelegenen Regalen aufschwingt.

Bei Beate T. ist es mit einem Rollhocker allein nicht getan. Aufgrund einer diastrophischen Dysplasie ist sie in ihrem Bewegungsvermögen sehr stark eingeschränkt. Bei dieser Variante sind Arme und Beine kürzer als bei normalwüchsigen Menschen, die Daumen sind abgespreizt und die Wirbelsäule seitlich verkrümmt. Beate T. misst etwa einen Meter. Sie ist Sozialarbeiterin in einem Bielefelder Krankenhaus und als Mitglied des Sozialberatungsteams ständig zwischen den verschiedenen Stationen unterwegs. Sie verfügt über den Elektrorollstuhl Butler der Firma Tünkers, der über eine Hubfunktion verfügt.

Monika S. und Beate T. arbeiten beide in Berufen, in denen kleinwüchsige Menschen relativ häufig anzutreffen sind. Johann S., der ebenfalls kleinwüchsige Ehemann von Monika S., hingegen ist seit 17 Jahren bei der Mindelheimer Firma Grob, einem Zulieferer der Automobilindustrie, tätig. Ursache für seine Kleinwüchsigkeit ist ein Mangel an Wachstumshormonen. Zwar ist er mit einer Körpergröße von 1,47 Meter kleinwüchsig, seine Proportionen sind aber normal und er kann sich ohne Einschränkungen bewegen.

Er arbeitet im Schichtdienst an einer CNC-gesteuerten Zerspanungsmaschine. Mittels eines höhenverstellbaren Arbeitspodests kann er das Bedienpanel der Maschine erreichen und auch den hinteren Teil der Maschine einsehen. Ab der ersten Klasse besuchte er die Sonderschule in Mindelheim. In der achten Klasse bemerkte ein Lehrer, dass Johann auf der Sonderschule fehl am Platze war und schickte ihn auf die Hauptschule. Dort erwarb er schließlich ganz mühelos den normalen Hauptschulabschluss.

In ihrem Haus kommen Monika und Johann S. ohne besondere Umbauten und Spezialanfertigungen aus. Nur in der Küche hängen die Wandschränke etwas niedriger. Während Johann S. ein normal ausgestattetes Auto fährt, benötigte der Ford Escort seiner Frau einige Umbauten. Die Sitzflächentiefe ist verkürzt, Pedale und der Automatikschalthebel wurden verlängert und das Lenkrad wurde durch ein Sportlenkrad mit geringerem Durchmesser ersetzt. Die Kosten für den Umbau des Wagens hat die Agentur für Arbeit übernommen. Für das Fahrrad seiner Frau hat Johannes Sirch außerdem eine Halterung konstruiert, mit der sich der Sattel des Kinderrads sieben Zentimeter nach hinten versetzen lässt.

Die drei vorgestellten Personen sind ehrenamtlich aktiv im Bundesselbsthilfeverband Kleinwüchsiger Menschen e.V. (VKM). Johann S. hat letztes Jahr den Vorsitz des Landesverbands Bayern übernommen. Beate T. ist im Bundesvorstand und im Landesverband Nordrhein-Westfalen aktiv. Von der Gemeinschaft mit anderen kleinwüchsigen Menschen habe sie sehr profitiert, so Monika S.. Ihrer Meinung nach findet das Thema Kleinwuchs in der Gesellschaft jedoch noch immer zu wenig Beachtung. Deswegen sei es wichtig, bei den regelmäßigen Treffen Präsenz in der Öffentlichkeit zu zeigen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Kleinwüchsige Menschen am Arbeitsplatz | REHADAT-Gute Praxis




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


HANDICAP - Das Magazin für Lebensqualität für Menschen mit Behinderungen und ihre Freunde
Homepage: http://www.handicap.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0130/7145


Informationsstand: 24.06.2009

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