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Bibliographische Angaben zur Publikation

Wie handlich sind Handys?

Das blinden- und sehbehindertengerechte Handy gibt es noch nicht



Autor/in:

Rehdes, Lothar


Herausgeber/in:

Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV)


Quelle:

Die Gegenwart, 2000, 54. Jahrgang (Heft 12), Seite 25, Bonn: Eigenverlag


Jahr:

2000



Abstract:


Oft werden wir nach dem Handy mit Sprachausgabe gefragt. Leider sind die Forschungen hier noch nicht zur Serienreife gediehen (Ericsson beispielsweise ließ aber gründlich testen); und viele Hersteller glauben, dass sie mit Spracheingabefunktion schon viel für Blinde tun. Dabei ist die Steuerung für Blinde über die Spracheingabe nur schwierig einzurichten und recht unzuverlässig. Die Bedienung - insbesondere die Einstellung - eines Handys erfolgt üblicherweise über ein Menüsystem. Die Nutzung des Menüsystems ist für Blinde kaum oder gar nicht möglich. Auch wenn man sich die Reihenfolge der Optionen merkt, kann man dann immer noch nicht die Rückmeldungen auf dem Diplay verfolgen.

Einige Hersteller (zum Beispiel Nokia und Siemens) haben die Möglichkeit vorgesehen, Funktionen, die sonst nur über das Menü erreicht werden, auch per Zahlencodes zu aktivieren, die über den Nummernblock eingegeben werden. Diese Methode eröffnet Blinden die Möglichkeit, selbstständig auf bestimmte Funktionen zugreifen zu können. Was nicht sehenden Benutzern bis auf weiteres verschlossen bleibt, sind die Dienste die nicht Telefonieren im eigentlichen Sinne sind (Textnachrichten und Internetanwendungen). Die Gesellschaften bieten aber inzwichen Möglichkeiten an, Dienste wie E-Mail in Sprache auf das Handy zu übertragen.

Um Tipps für die Anschaffung eines Mobiltelefons zu geben, haben wir vom Förderzentrum für Blinde- und Sehbehinderte einige Modelle getestet. Wir haben Modelle von Nokia, Siemens, Motorola, Sony und Trium (Mitsubishi) getestet, wobei letzgenantes Trium Astral ähnlich wie beispielsweise Siemens C-25 häufig im Paket mit Guthabenkarte angeboten wird; sie sind ergonomisch übersichtlich gestaltet, gut mit Quittungstönen ausgestattet und bieten auch für Sehbehinderte ein gutes Display. Die neueren Siemensmodelle C35 I und S35 I erscheinen ergonomisch nicht mehr so gelungen wie ihre Vorgänger. Der Ziffernblock ist von den Funktionstasten nicht mehr so gut abgesetzt.

Die Tonqualität lässt Wünsche offen. Die Ausstattung der Modelle ist gut, wobei S35 zusätzlich über Modem, Spracheingabe und Memo verfügt. Die Bedienung der Menüfunktionen mit Zahlencodes ist möglich. Eine Liste der Codes sucht man allerdings vergeblich. Beide Modelle können empfohlen werden. Das Motorola Timeport ist ein schlichtes, äußerst durchdachtes Handy. Die Bedienung des Menüs ist allerdings unnötig kompliziert und wird unter blinden Nutzern keine Freunde finden. Sehbehinderte Personen werden schon mit der extrem kleinen Schrift der Bedienungsanleitung ihre Probleme haben. Das Nokia 3210 ist ein edel wirkendes gefälliges Handy. Sehbehinderte werden an der großen, gut lesbaren Schrift auf dem Display Gefallen finden.

Leider gibt es auch hier keine Quittierung des Einloggens. Ein Erkennen ist aber am Klang der Tastentöne möglich. Die tief eingesenkten Tasten sind gewöhnungsbedürftig. Die Einstellungen können statt über das Menü auch über Zahlencodes vorgenommen werden. Den verschiedenen Anrufern können, allerdings nur durch sehende Hilfe, verschiedene Klingeltöne zugeordnet werden. Trotz fehlenden Vibrationsalarm wird dieses hübsche Handy seine Freunde finden. Anschließend testeten wir noch das Sony CMZ5. Die kleine Tastatur unter der Klappe ist recht griffig. Das Jog-Dial-Rädchen macht da schon mehr Probleme (zuverlässiges Abzählen).
Sind die Einstellungen - am besten mit sehender Hilfe - vorgenommen, kann das kleine Schmuckstück bestimmt gefallen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Mobiltelefone




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Verbandszeitschrift Sichtweisen (vormals: 'Die Gegenwart')
Homepage: https://www.dbsv.org/verbandszeitschrift-sichtweisen.html
***Bezug über Bibliotheken oder über den Zeitschriftenhandel***

Sichtweisen erscheint in verschiedenen Formaten: als sehbehindertengerechte Schwarzschrift-Ausgabe, in Punktschrift zum Lesen mit den Fingern oder zum Hören auf der DAISY-CD 'DBSV-Inform', die zusätzlich die Hörzeitschriften der DBSV-Landesvereine enthält.



Referenznummer:

R/ZS0114/3239


Informationsstand: 10.08.2001

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