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Bibliographische Angaben zur Publikation

Telearbeit: Übersicht zum Rechtsgutachten 'Entwicklung der Telearbeit - arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen': IV. Ergebnis der gutachterlichen Bewertung

In Teil 1: Hilfestellungen zur praktischen Einführung von Telearbeitsplätzen für behinderte Menschen



Sammelwerk / Reihe:

Telearbeit für behinderte Menschen, Band 272


Autor/in:

Wedde, Peter


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 2002


Jahr:

2002



Abstract:


Die Untersuchung hat gezeigt, dass Telearbeit den arbeitsrechtlichen Rahmen unverändert lässt, der in Abhängigkeit vom jeweiligen Beschäftigungsverhältnis besteht. Die Umsetzung dieses Rahmens ist aber insbesondere bei häuslichen Formen schwierig. Nachbarschafts- und Satellitenbüros in den bisher bekannten Ausgestaltungen stellen sich dagegen weitgehend problemlos dar.

Eine Absicherung des für herkömmliche Tätigkeiten bestehenden arbeitsrechtlichen Schutzrahmens durch individual- und kollektivrechtliche Regelungen ist möglich. Die zahlreichen für Telearbeit abgeschlossenen Vereinbarungen und Verträge machen aber deutlich, dass der sich daraus ableitende arbeitsrechtliche Schutz unterschiedliches Niveau hat. Das Spektrum reicht von Regelungen, die den bei herkömmlicher Tätigkeit vertrauten Schutzrahmen uneingeschränkt gewährleisten, bis hin zu solchen, die erhebliche Rechtsverluste für die Betroffenen erzeugen. Eine Harmonisierung des unterschiedlichen Niveaus ist nicht absehbar. Soll vor diesem Hintergrund ein einheitlicher Schutzrahmen gesichert werden, ist der Gesetzgeber gefordert. Soll eine Regelung der Telearbeit erfolgen, die den bestehenden Schutzrahmen auf der gesetzlichen Ebene garantiert, ist eine Gesamtlösung sinnvoll.

Die auf den ersten Blick naheliegende Schaffung eines Telearbeitsgesetzes ist jedoch nicht erfolgversprechend. Ein solches Spezialgesetz würde der Tatsache nicht gerecht, dass viele der angesprochenen Probleme allgemeiner Natur sind und sich nicht auf den Bereich der Telearbeit beschränken. Zudem wären als Folge eines Telearbeitsgesetzes neue Abgrenzungsschwierigkeiten zu anderen Arbeitsformen zu erwarten. Sinnvoller ist die Umsetzung der notwendigen gesetzlichen Anpassungen durch ein Artikelgesetz, durch das sowohl die angesprochenen allgemeinen rechtlichen Modifikationen und Ergänzungen vorgenommen als auch telearbeitsspezifische Notwendigkeiten berücksichtigt werden. Eine solche Lösung bietet die Gewähr, dass Telearbeit in arbeitsrechtlichen Bahnen verläuft, die denen in konventionellen Arbeitszusammenhängen entsprechen. Eine Schwächung der Rechtspositionen wäre zu vermeiden. Im Ergebnis stärkt dies die Akzeptanz und damit auch die Chancen für eine Ausbreitung von Telearbeit.

Findet kein gesetzgeberisches Handeln statt oder beschränkt sich dieses auf Teilaspekte, sind für die Praxis Rechtsverluste unvermeidlich. Telearbeit könnte sich dann zu einer Arbeitsform mit negativem Ruf wandeln, was für die A usbreitung hinderlich wäre. Kommt es zur notwendigen Erhöhung der Regelungsdichte, geht diese auf Kosten der Vorteile, die vor allem von Seiten der Arbeitgeber mit Telearbeit verbunden werden. Die erforderliche Rücksicht auf gesetzliche Vorgaben schmälert den betriebswirtschaftlichen Nutzen der Arbeitsform. Dies kann jedoch kein Grund dafür sein, auf die empfohlenen gesetzlichen Maßnahmen zu verzichten. Die gesetzlichen Positionen von Beschäftigten allein aus Kostenerwägungen reduzieren zu wollen, widerspräche dem Schutzcharakter des Arbeitsrechts.

Der betriebliche Aufwand für die erforderliche Rechtssicherung muss deshalb als Faktor in die Kosten-Nutzen-Rechnung eingehen. Dies kann im Einzelfall dazu führen, dass sich Telearbeit für einen Betrieb nicht lohnt. Für eine Vielzahl von Gestaltungen zeichnen sich jedoch auch unter Berücksichtigung dieser zusätzlichen Belastungen Vorteile für Telearbeit ab. Telearbeit und uneingeschränkter arbeitsrechtlicher Schutz lassen sich gemeinsam verwirklichen. Die erforderliche Gewährleistung des arbeitsrechtlichen Schutzrahmens steht der Ausbreitung dieser Arbeitsform nicht entgegen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Kapitelübersicht: Übersicht zum Rechtsgutachten




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/publikat...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

D0101


Informationsstand: 01.08.2002

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