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Bibliographische Angaben zur Publikation

Rückkehr ins Erwerbsleben nach der befristeten Erwerbsminderungsrente: Ergebnisse aus der REBER-Studie

Vortrag auf dem 28. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 15. bis 17. April 2019 in Berlin



Sammelwerk / Reihe:

Rehabilitation - Shaping healthcare for the future


Autor/in:

Briest, Juliane


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2019, Seite 218-219


Jahr:

2019



Link(s):


Link zu dem Beitrag im Tagungsband (PDF, 3,4 MB).


Abstract:


Zielstellung:

Bislang liegen nur wenige belastbare Daten zur Rückkehr ins Erwerbs-leben (RTW) nach einer zeitlich befristeten Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) vor (Kobelt et al., 2009; Zschucke et al., 2016). Ziel der Studie 'Rehabilitation bei Personen mit zeitlich befristeter Erwerbs-minderungsrente' (REBER) war daher unter anderem eine träger- und diagnosenübergreifende Erfassung der weiteren Inanspruchnahme von Rentenleistungen nach der erstmaligen Befristung sowie eine Analyse des RTW.

Methoden:

Im Rahmen des Projektes REBER wurden 15.237 Versicherte der DRV Bund, DRV BadenWürttemberg, DRV Mitteldeutschland und DRV Nord befragt, die zwischen 35 und 60 Jahre alt waren und erstmalig eine zeitlich befristete, vom Arbeitsmarkt unabhängige EM-Rente erhielten, deren erste Bewilligung im Befragungszeitpunkt auslief.

Teilnehmende der ersten Befragung wurden ein Jahr später erneut befragt. Die schriftliche Erhebung umfasste unter anderem Instrumente zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (SF-36), Fragen zur Einstellung gegenüber RTW (Wunsch, Fähigkeit, Möglichkeit) und einer aktuellen Erwerbstätigkeit sowie soziodemographische Merkmale. Die Fragebogendaten wurden durch ausgewählte Routinedaten der Versicherten ergänzt. Neben deskriptiven Verfahren wurden logistische Regressionsmodelle zur Vorhersage einer Berufstätigkeit bzw. Verdienst über der Hinzuverdienstgrenze berechnet.

Ergebnisse:

2.500 Versicherte nahmen an der Erhebung zum zweiten Befragungszeitpunkt teil. Gut zwei Drittel der Teilnehmenden waren weiblich, das Durchschnittsalter betrug 51,9 Jahre (Standardabweichung [SD] = 5,7). Der überwiegende Anteil erhielt eine volle EM-Rente (89,5 %). Gut die Hälfte der Renten wurde aufgrund von psychischen Erkrankungen gewährt.

Knapp ein Drittel der Berentungen erfolgten aufgrund von Neubildungen (12,8 %), muskuloskelettalen Erkrankungen (9,7 %) oder Krankheiten des Kreislaufsystems (6,5 %). Bei lediglich 17 Personen wurde die EM-Rente nach der ersten Befristung nicht weiter gewährt. Knapp 3 % der Befragten erhielten eine andere Rentenart (z.B. Altersrente) bzw. einen anderen Berentungsumfang, in den meisten Fällen wurde die bisherige Rente weitergewährt. Ein Viertel der Versicherten gab jedoch an, derzeit beruflich tätig zu sein. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit betrug 15,0 Stunden (SD = 9,8). Das erhaltene Entgelt überstieg bei 10,6 % der Befragten die Zuverdienstgrenze.

Im Rahmen einer logistischen Regressionsanalyse zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit einer Berufstätigkeit vor allem durch das Vorliegen einer teilweisen Erwerbsminderung (Odds Ratio [OR] = 6,14; 95 % Konfidenzintervall [KI]: 3,87; 9,73) und einer psychiatrischen Berentungsdiagnose (OR = 1,53; 95 % KI:1,06; 2,19) begünstigt wurde.

Ebenso zeigte sich bei besonders günstigen Werten (+ 1 SD) auf den zum ersten Befragungszeitpunkt erfassten Skalen zur Einstellung gegenüber einem RTW sowie der psychischen und körperlichen Summenskala des SF-36 eine um den Faktor 1,2 bis 1,4 höhere Wahrscheinlichkeit einer Berufstätigkeit.

Frauen (OR = 0,73; 95 % KI: 0,55; 0,96) sowie Versicherte der DRV Mitteldeutschland (vs. DRV Bund; OR = 0,63; 95 % KI: 0,41; 0,96) und DRV Baden-Württemberg (vs. DRV Bund; OR = 0,60; 95 % KI: 0,37; 0,97) hatten hingegen eine geringere Wahrscheinlichkeit für RTW. Der Erhalt einer Leistung zur medizinischen Rehabilitation, eine der Berentung vorangegangene Arbeitslosigkeit, Rentenbetrag sowie Alter und Schulbildung der Befragten hatten hingegen keinen signifikanten Einfluss. Bei Berücksichtigung eines Entgelts über der Hinzuverdienstgrenze als abhängiges Merkmal zeigten sich insgesamt vergleichbare Ergebnisse.

Fazit:

Die Ergebnisse zeigen, dass der Wegfall der Berentung bei einer erstmalig befristeten Erwerbsminderungsrente ein sehr seltenes Ereignis darstellt. Eine Berufstätigkeit trotz weiterhin bestehender Erwerbsminderung ist nicht nur angesichts einer möglichen Entlastung der Versicherungsträger durch Verringerung der Rentenzahlungen, sondern auch der gesellschaftlichen Teilhabe der Betroffenen als erstrebenswert zu bewerten.

In den durchgeführten Analysen zeigte sich insbesondere für den Umfang der Erwerbsminderung ein hoher Einfluss für die Chance eines RTW. Insbesondere angesichts der Chronizität vieler Berentungsdiagnosen scheint es daher möglich, dass eine frühere, jedoch nur teilweise Berentung zu einem für den Betroffenen günstigeren Verlauf der Erwerbs- und Teilhabebiografie führen könnte.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '28. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Rehabilitation - Shaping healthcare for the future'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Wissenschaften/Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navi...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV129749


Informationsstand: 16.05.2019

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