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Bibliographische Angaben zur Publikation

Rückkehr-Intentionen und Rückkehr-Verhalten: Erwartungen und Erfahrungen von befristeten Erwerbsminderungsberenteten über 17 Monate

Vortrag auf dem 28. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 15. bis 17. April 2019 in Berlin



Sammelwerk / Reihe:

Rehabilitation - Shaping healthcare for the future


Autor/in:

Lippke, Sonia; Zschucke, Elisabeth; Hessel, Aike [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2019, Seite 220-221


Jahr:

2019



Link(s):


Link zu dem Beitrag im Tagungsband (PDF, 3,4 MB).


Abstract:


Zielstellung:

Über das Risiko des Zugangs in eine Erwerbsminderungsrente liegen mittlerweile zahlreiche Studien (zum Beispiel Bethge, 2017) und systematische Reviews inklusive Metaanalysen (zum Beispiel Carrolli et al., 2010; Knardahl et al., 2017; Nigatu et al., 2017) vor. Allerdings gibt es nur wenige Untersuchungen mit Versicherten in befristeter Erwerbsminderungsrente (bEMR) und deren Absicht, erneut einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (Return to Work, RTW).

Eine der wenigen Interventionsstudien (Magnussen et al., 2007) stellte fest, dass positive Erwartungen, eine bessere körperliche Funktions-fähigkeit und Gesundheit RTW wahrscheinlicher machten. Die Literatur zu RTW stellt Befunde, Beobachtungen und Theorien bereit, um diesen Prozess genauer zu verstehen und evidenzbasiert zu verbessern.

Eine Theorie ist beispielsweise der Health Action Process Approach (HAPA), auf dessen Grundlage in dieser Studie die Erwartungen und Ziele von Versicherten mit bEMR bezüglich einer Rückkehr ins Erwerbsleben untersucht werden sollten.

Zweck der Untersuchung: Menschen mit bEMR sind im Hinblick auf potenzielle Teilhabestörungen eine vulnerable Gruppe, bei der Handlungsnotwendigkeit bezüglich geeigneter Interventionen zur Förderung der RTW besteht. Deswegen sollte in dieser Studie ermittelt werden, welche Faktoren Intention bzgl. RTW aus bEMR vorhersagen.

Methoden:

453 Versicherte mit bEMR wurden mittels strukturierter telefonischer Interviews (CATI) zu zwei Messzeitpunkten (Erster Messzeitpunkt /Baseline; Nachbefragungsmesszeitpunkt = Baseline + ca. 14 Monate) zu verschiedenen potentiellen soziodemografischen und psychologischen Prädiktoren befragt.

Ergebnisse:

Es zeigte sich, dass Befragte, die jünger waren (OR=0.94), die seit kürzerer Zeit bEMR bezogen (OR=0.82) und die mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Geld schlechter zurechtkamen (OR=0.73), eine höhere RTW-Intention hatten.

Im zweiten Schritt wurden personale Ressourcen, d.h. sozial-kognitive Variablen im Zusammenhang mit Erwerbstätigkeit (Handlungs-ergebniserwartung/HEE, Selbstwirksamkeit zur RTW und Soziale Unterstützung), die Job Ressource 'selbständig Entscheidungen treffen' und das Job-Demand 'Arbeit hat mich oft gestresst oder überfordert' sowie subjektive Gesundheit und Erwartungen an eine medizinische Rehabilitation in die Analysen einbezogen. Dabei zeigte sich, dass nach Kontrolle von soziodemografischen Variablen drei der vier Handlungsergebniserwartungen sowie die Erwartungen an die Reha von Bedeutung waren: Während Alter und Zeit in EMR statistisch bedeutsam blieben, waren auch die HEE, weiterhin Geld zu verdienen (OR=1.91), die HEE, gebraucht zu werden (OR=1.67) sowie HEE, rauszukommen aus familiärem/häuslichem Umfeld (OR=1.41) und die Erwartung an die medizinische Rehabilitation (OR=1.61) signifikant korreliert mit der RTW-Intention (jedoch nicht intrinsische HEE Spaß und die anderen personalen Ressourcen).

Fazit:

Um Versicherte bei RTW zu unterstützen, können ihre HEE genutzt und Selbstwirksamkeitserwartung erhöht werden, zum Beispiel durch gestufte Arbeitserprobungen und Praktika, in denen insbesondere Erfolgserlebnisse gesammelt werden. Diese Angebote werden bereits im Bereich von medizinisch-beruflich orientierter Rehabilitation (MBOR) angeboten - möglicherweise sollten sie jedoch stärker auf die Prävention der EMR und auf die Besonderheiten dieser Versicherten maßgeschneidert werden.

Dass möglichst frühzeitig Maßnahmen erfolgen sollten, zeigen die Analysen zur Bedeutung der Dauer in EMR. Wurden Alter und die bEMR-Dauer gleichzeitig in eine Regressionsanalyse integriert, waren querschnittlich zu Baseline beide bedeutsam. Mit anderen Worten: obwohl die beiden Variablen Zeitaspekte abbilden, haben sie diskriminante Validität. Altern scheint zumindest teilweise etwas Anderes zu sein, als einfach nur länger im Zustand der ERM zu verweilen.

Die Tatsache, dass bei der längsschnittlichen Vorhersage der RTW-Intention das Alter, aber nicht die Zeit seit Beginn der EMR eine Rolle spielt, impliziert allerdings, dass an jüngere Versicherte gerichtete Interventionen, erfolgsversprechender sind, als Interventionen, die möglichst bald nach Eintritt in die EMR stattfinden. Damit werden bisherige Befunde bestätigt (zum Beispiel Knardahl et al., 2017) und die Notwendigkeit unterstrichen, Maßnahmen für ältere Versicherte und Menschen, die länger in EMR sind, anzubieten.

Interventionen zur Förderung der Rückkehr in die Erwerbstätigkeit aus bEMR sollten frühzeitig angeboten werden und die RTW-Intention stärken. Dies kann zum Beispiel durch das Sammeln von Erfolgs-erlebnissen und der damit verbundenen Stärkung der Selbstwirksamkeit geschehen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '28. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Rehabilitation - Shaping healthcare for the future'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Wissenschaften/Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navi...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV129750


Informationsstand: 16.05.2019

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