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Bibliographische Angaben zur Publikation

Psychisch Kranke im SGB II: zwischen Arbeitswunsch und Beratungswirklichkeit


Autor/in:

Gühne, Uta; Riedel-Heller, Steffi; Kupka, Peter


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

ASU, 2017, 52. Jahrgang (Ausgabe 8), Seite 600-604, Stuttgart: Gentner, ISSN: 0944-6052


Jahr:

2017



Link(s):


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Abstract:


Einleitung:

Die gesundheitsförderliche Wirkung von Arbeit ist in der Psychiatrie schon lange bekannt. Dennoch bleibt in Deutschland vielen psychisch Kranken eine gleichberechtigte berufliche Teilhabe verwehrt, obwohl vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten existieren. Das Projekt 'Psychisch Kranke im SGB II: Situation und Betreuung' machte sich in diesem Kontext zur Aufgabe, einerseits die individuellen Problemlagen der Betroffenen und andererseits den institutionellen Umgangs mit ihnen zu erfassen.

Methode:

Fallstudien (qualitative Interviews und Dokumentenanalysen) in acht Jobcentern.

Ergebnisse:

Die Erhebungen zeigen, dass der Wunsch der Betroffenen nach einer angemessenen Erwerbstätigkeit nur unzureichend in die Beratungs- und Vermittlungsaktivitäten eingeht. Dies liegt zum einen an fehlenden geeigneten Arbeitsplätzen, zum anderen an fehlenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, die die Bedürfnisse der Betroffenen aufnehmen. Die Beratung in den Jobcentern selbst greift den Wunsch der 'Kunden' nach Erwerbstätigkeit und damit nach einem selbständigeren Leben nur unzureichend auf. Gerade wohlmeinende Vermittler und Fallmanager stützen sich auf eine sequentielle Vorstellung (erst gesund werden, dann arbeiten) und unterlassen arbeitsbezogene Maßnahmen als Teil des Wiederherstellungsprozesses.

Schlussfolgerungen:

Angemessen wäre eine integrierte Sichtweise auf Arbeit und Gesundheit, die Erwerbstätigkeit als Teil des Genesungsprozesses begreift. Dabei ist eine dichotome Sichtweise, die nur zwischen den Zuständen 'gesund' und 'krank' unterscheidet, nicht sinnvoll. Im Sinne des Recovery-Konzepts kommen arbeitsbezogene Maßnahmen auch dann in Betracht, wenn psychisch kranke Erwerbslose noch nicht 'genesen' sind oder vielleicht auch nie sein werden.


Weitere Informationen:


Englisches Abstract:

Mentally ill persons within the Social Code II: between the desire to work and the reality of counselling


Abstract:


Introduction:

The health promoting effect of work has long been known in psychiatry. Nevertheless, there are many persons with psychiatric disorders in Germany, who have no access to vocational participation, despite the existence of various, supportive possibilities. The project, 'Mentally Ill Persons within the (German) Social Code II' in this context aims at gathering information about the individual problem-situation of those affected on one hand and on the institutional dealings on the other hand.

Method:

Case studies in eight jobcentres (qualitative interviews and document analysis).

Results:

The case studies show that the individual's desire for adequate employment is only marginally reflected in the practice of counselling and job placement. Reasons for this situation are a lack of adequate jobs and labour market schemes to meet the needs of this group. Counselling in jobcentres does not sufficiently appreciate the desire of the 'customers' to be employed and thus lead a more independent life. Even well-intentioned placement officers and case managers follow a set sequence (get well first, then work) rather than performing work related activities as part of the healing process.

Conclusions:

A view of work and health that understands work as an integral part of health improvement would be more suitable. A dichotomous concept that only makes a distinction between 'healthy' and 'sick' is not helpful. Following the recovery approach, work related measures can be considered even when mentally ill unemployed people are not 'healed' and perhaps never will be.


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


ASU - Zeitschrift für medizinische Prävention
Homepage: https://www.asu-arbeitsmedizin.com/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0026/0330


Informationsstand: 27.09.2017

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