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Bibliographische Angaben zur Publikation

Wagen wir es! Der Modellversuch Baden-Württemberg


Autor/in:

Pagel, Jutta


Herausgeber/in:

Bundesverband Evangelische Behindertenhilfe e.V. (BEB)


Quelle:

Orientierung, 2007, Heft 1, Seite 8-10, Reutlingen: Grafische Werkstätte, ISSN: 0720-2172


Jahr:

2007



Abstract:


Jutta Pagel ist vom Landesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte Baden-Württemberg. Sie schildert, wie der Modellversuch zum Persönlichen Budget dort zustande kam und welche Erfahrungen es mit ihm gab. Zunächst unternahmen die Vorstände des Landesverbandes der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung und des Landesverbandes für Körper- und Mehrfachbehinderte im Frühjahr 2000 eine Studienreise nach Utrecht in den Niederlanden, in denen sich alle Beteiligten in der Praxis über die Vor- und Nachteile eines personengebunden Budget informieren konnten, dass in den Niederlanden bereits umgesetzt war.

Im Februar 2001 ergriffen die Vorstände dann die Initiative, indem sie dem damaligen Landessozialminister Dr. Repnik ihr gemeinsames Konzept für einen Modellversuch für das Persönliche Budget für Menschen mit Behinderungen in Baden-Württemberg übergaben. Nach der Wahl des Landtages im März 2001 wurde vom Sozialministerium Baden-Württembergs ein umsetzungsfähiges Konzept erarbeitet. Daraufhin startete Baden-Württemberg als erstes Bundesland im Sommer 2001 modellhaft ein Projekt für ein Trägerübergreifendes Persönliches Budget auf der Grundlage des SGB IX. Die Erprobungsphase begann im Oktober 2002 und endete im September 2005.

Inhaltlich wurde festgelegt, das Persönliche Budget in fünf Modellregionen mit mindestens 250 Personen zu erproben. Unabhängig von Art und Schwere der Behinderung sollte eine Teilnahme am Modell möglich sein. Zusätzlich sollte darauf geachtet werden, dass in den beteiligten Regionen ein Angebot an ambulanten Hilfeangeboten zur Verfügung steht, gleichzeitig sollte aber in mindestens einer Region ein Persönliches Budget in stationären Einrichtungen umgesetzt werden. Männer und Frauen sollten gleichermaßen berücksichtigt werden. Die Teilnahme am Projekt sollte freiwillig sein und die Budgetnehmer konnten jederzeit aus dem Projekt aussteigen.

Die Auswahlkriterien für die Inanspruchnahme der Leistungen des Persönliche Budgets waren die Alltäglichkeit und Regelmäßigkeit des Hilfebedarfes sowie die Regiefähigkeit, also die Möglichkeit zur eigenen Entscheidung für Leistungsempfänger. Aus rechtlicher Sicht kamen zudem nur Leistungen in Frage, für die der Gesetzgeber eine Leistungserbringung in Form von Geld zugelassen oder doch zumindest nicht untersagt hat.

Das Geld wurde von den überörtlichen Sozialhilfeträgern in monatlichen Pauschalen nach unterschiedlicher Staffelung orientiert am jeweiligen Grad der Behinderung ausgezahlt. Voraussetzung für das Gelingen des gesamten Modellprojektes war dabei, dass eine Budgetassistenz geschaffen wurde. Nur so konnte gewährleistet werden, dass auch Menschen mit schweren und schwersten Behinderungen das Persönliche Budget nach ihrem Willen einsetzen können.

An dem Projekt nahmen insgesamt 40 Personen teil. Da das Budget im Grunde auf Menschen mit Körperbehinderung optimal zugeschnitten ist, war es erstaunlich zu sehen, dass es in der Praxis hauptsächlich von Personen mit geistiger Behinderung genutzt wurde. Unter anderem lag das daran, dass der Unterstützungsbedarf der anvisierten Personengruppe zu hoch war, die Assistenznahme über das Budget teurer gewesen wäre als stationäre Betreuung und eine barrierefreie Infrastruktur fehlte.

Durch die zahlreichen Möglichkeiten, die das Persönliche Budget bietet, werden auch die Angebote für Menschen mit Behinderung zahlreicher und facettenreicher werden. Dazu müssen die Leistungen hoch genug bemessen sein, um nicht Schwarzarbeit zu fördern. Weiterhin müssen bisherige Strukturen ausgebaut werden, so dass es allen zugänglich ist; möglichst auch Personen in stationären Einrichtungen. Im Rahmen des Modellprojektes in Baden-Württemberg wurden vielfältige Erfahrungen gemacht, die sich in der Weiterentwicklung des SGB IX sowie in der Budgetverordnung wiederfinden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


§ 29 SGB IX Persönliches Budget




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Orientierung
Homepage: https://www.beb-orientierung.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0157/6343


Informationsstand: 25.10.2007

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