Hintergrund und Zielstellung
Die Stay at Work Forschung untersucht den Verbleib von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Erwerbsleben. Im Fokus stehen betriebliche Maßnahmen sowie persönliche und betriebliche Faktoren, die einen Verbleib begünstigen oder erschweren (Dettmann, Hasselhorn, 2020). Doch wie sieht die Situation in Arbeitsfeldern aus, in denen die Berufsausübung unter „up or out“-Bedingungen stattfindet, wie im deutschen Wissenschaftssystem?
Die prekären Arbeitsbedingungen und unklaren Karriereperspektiven für Wissenschaftler*innen in der Qualifizierungsphase sind bereits seit einigen Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen und politischer Debatten. Die große Mehrheit (92 Prozent) der an Hochschulen beschäftigten Promovierenden hat einen befristeten Arbeitsvertrag (BuWiN, 2021) und die durchschnittliche Befristungsdauer beträgt zwei Jahre. Dauerstellen unterhalb der Professur gibt es nur wenige.
Diese Flaschenhalsproblematik setzt, so konstatiert Ambrasat, „einen Wettbewerbs- und Ausbeutungsmechanismus in Gang, der den Individuen kein Innehalten, keine Auszeit […] erlaubt, da die sich ihrer beruflichen Perspektive noch nicht sicheren Wissenschaftler*innen im Vergleich mit anderen nicht ins Hintertreffen geraten wollen“ (Ambrasat, 2021). Für Promovierende mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen verschärft sich diese Situation durch einen behinderungsbedingten zeitlichen Mehraufwand, bürokratische Hürden und Barrieren in der Umwelt (Bauer et al., 2023).
Eine Schlüsselrolle für den Zugang und den Verbleib von Promovierenden in der Wissenschaft kommt den Promotionsbetreuenden zu. Als Betreuende ermöglichen sie den Zugang zur Promotion sowie die fachliche Qualifizierung und Mobilität während der Promotionsphase.
Darüber hinaus sind Betreuende häufig Arbeitgeber*innen von Promovierenden und spielen somit eine wichtige Rolle für betriebliche Unterstützungsmaßnahmen und ein inklusives Arbeitsklima. Doch trotz ihrer zentralen Rolle sind die Einstellungen, die die Rekrutierungs- und Unterstützungsentscheidungen von Betreuenden gegenüber Promovierenden mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen beeinflussen, bislang nur unzureichend erforscht. Die Zielstellung der vorliegenden Forschungsarbeit war es daher, Einstellungen von Promotionsbetreuenden zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen in der Wissenschaft zu untersuchen.
Take-Home-Message
Stay at Work oder Up or Out? Im kompetitiven Arbeitsumfeld Wissenschaft nehmen Promotionsbetreuende eine Schlüsselrolle für den Verbleib gesundheitlich beeinträchtigter Promovierender ein.