Hintergrund und Zielstellung
Psychische Erkrankungen führen nicht nur zu langen AU Zeiten, sie sind außerdem der häufigste Grund für krankheitsbedingte Frühberentungen (DRV, 2024; Schröder, Urban, 2019). Je länger die Abwesenheit vom Arbeitsplatz, desto höher sind meist die Rückkehrhemmnisse. Dabei fördert Arbeit Tagesstruktur, Erfolgserlebnisse und soziale Integration, und trägt damit zur psychosozialen Stabilisierung bei (Pfammatter et al., 2000). Häufig haben Betroffene trotz begrenzter Belastbarkeit den Wunsch, in reduziertem Umfang weiterzuarbeiten. In skandinavischen Ländern gibt es hierfür Modelle der befristeten Teilzeit-Tätigkeit im Krankheitsfall. Studien zeigen positive Effekte, unter anderem eine schnellere Rückkehr in den Beruf sowie eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine vollständige Rückkehr und damit eine Vermeidung von Frühberentungen (Albrecht et al., 2018).
Das durch das Bundesprogramm rehapro geförderte Modellprojekt „ZaTaB“ erprobt die Umsetzung einer zeitlich befristeten Arbeitszeitreduktion nun erstmals in Deutschland.ZaTaB („ZeitRaum“ in der Außendarstellung) ermöglicht Menschen, deren Arbeitsfähigkeit aufgrund einer psychischen Erkrankung bedroht ist, die Reduktion ihrer Arbeitszeit auf 50 Prozent für eine Dauer von bis zu 12 Monaten und bei üblichem Gehalt (Arbeitgeberzuschuss). Begleitend erhalten sie wöchentlich psychologische Unterstützung zum Umgang mit arbeitsplatzbezogenen Problemen.
Das Projekt wird in den Modellregionen Unter- und Oberfranken durchgeführt. Hierfür wurden zwei Beratungsstellen (Würzburg und Bayreuth) eingerichtet, an denen Fallmanager:innen die Teilnehmenden im Projektverlauf begleiten. Ziel ist die frühzeitige Bearbeitung arbeitsbezogener Probleme und damit die Förderung einer schnellen und stabilen Rückkehr an den Arbeitsplatz. In einer Zwischenauswertung wurde die Stichprobe im Hinblick auf deskriptive Charakteristika, psychische Belastung und arbeitsplatzbezogene Probleme untersucht.
Take-Home-Message
Die Analyse der Stichprobe bestätigt, dass die Teilnehmenden von ZaTaB neben psychischen auch erhebliche arbeitsplatzbezogene Einschränkungen aufweisen, wodurch die arbeitsplatzbezogene Unterstützung im Rahmen des Projekts für sie besonders sinnvoll ist.