Hintergrund und Zielstellung
Auch in den Rehabilitationswissenschaften wird zunehmend für die Umsetzung partizipativer Forschung geworben. So wird dafür plädiert die partizipative Forschung als Forschungsstil auch im Bereich der Rehabilitationsforschung durchgängig zu verfolgen (Egbringhoff, Meyer, 2023). Verschiedene Aspekte gilt es dabei aber zu berücksichtigen.
Ilg und Schaal (2022) verweisen mit Blick auf partizipative Forschung auf das „Partizipations-Paradox“: Betroffene sollen aufgrund ihrer Expertise aus ihrer Lebenswelt heraus möglichst weitreichend mitwirken und befähigt werden. Jedoch können sie bei der Antragstellung noch gar nicht beteiligt werden, weil zu diesem Zeitpunkt die Projektfinanzierung noch ungeklärt ist. Deshalb sieht Flick (2022, Seite 80) „gerade in dieser normativ so aufgeladenen Forschung die Gefahr des Paternalismus“. Denn den Betroffenen wird schließlich durch die Art der Forschungsförderung vorgegeben, welches Problem aus ihrer Lebenswelt sie mit welchem Arbeits- und Zeitplan miterforschen und zu was sie befähigt und ermächtigt werden sollen.
Herausfordernd ist zudem die Aufforderung Betroffene „auf Augenhöhe“ an der Forschung zu beteiligen (Egbringhoff, Meyer, 2023, Seite 3). Da bislang noch systematische - über subjektive Erfahrungsberichte hinausgehende - Evaluationen partizipativer Forschung fehlen und bislang trotz der Forderung nach partizipativer Forschung immer noch erst wenige Evaluationsergebnisse vorliegen (Meyer, Menzel-Begemann, 2022) ist noch offen, ob und inwieweit die mit partizipativer Forschung verbundenen erkenntnis- und demokratietheoretisch begründeten sowie anwendungs- und befähigungsbezogenen Erwartungen auch eingelöst werden können.
Vor diesem Hintergrund der beschriebenen Herausforderungen partizipativer Forschung, möchten wir auf Basis des Forschungsprojekts „Aufgaben und Nutzen Sozialer Arbeit in der beruflichen Rehabilitation“ (ANSAB), das einen partizipativen Forschungsstil verfolgt, untersuchen, welche Beiträge partizipative Forschung zu aussagekräftigeren Erkenntnissen und zur Befähigung von beteiligten Betroffenen leisten kann.
Take-Home-Message
Der partizipative Forschungsstil - im Besonderen umfangreiche Beteiligungsformen - sollte in den Rehabilitationswissenschaften noch weiter erprobt werden und Projektmittelgebende sollten die weitere Erprobung partizipativer Forschung ermöglichen.