Mit dem Ziel, den Übergang von der Schule in den Beruf besser vorzubereiten und zu gestalten, wurde zu Schuljahresbeginn 1996/97 an der Ernst-Reuter-Schule II (ERS II) in Frankfurt ergänzend das Projekt Berufsorientierung für Jugendliche mit sonderpädagogischem und besonderem Förderbedarf im Rahmen der Schulzeitverlängerung eingerichtet. Inzwischen ist dieses Unternehmen dem Projektstatus entwachsen und die Berufsorientierung (BO) ist fester Bestandteil der ERS II.
Dabei ist die BO als schulische Maßnahme eingebettet in den gesamten Stufenaufbau der ERS II. Seit 1996/97 starten von insgesamt sechs Klassen drei als Integrationsklassen (I), in denen behinderte und nicht-behinderte SchülerInnen gemeinsamen Unterricht erhalten.
Dabei gibt es nebenher spezielle Angebote für behinderte SchülerInnen, wie zum Beispiel gemeinsames einkaufen, kochen, essen, Hauswirtschaft, Arbeit im Garten, Büroorganisation und dergleichen, die einen Raum bieten sollen für Erfahrungen mit Menschen in der gleichen Situation und/oder mit der gleichen Entwicklung.
In der achten Klasse beginnt die BO mit der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung des ersten Betriebspraktikums, dem im neunten und zehnten Schuljahr weitere Blockpraktika folgen. Die Schüler sollen dabei verschiedene Arbeitsbereiche kennenlernen, sich gegebenenfalls mit ihrer Angst vor Unbekanntem auseinander setzen und selbstsicherer werden.
Die eigentliche Stufe der BO beginnt nach dem Besuch des zehnten Schuljahres im Rahmen einer Schulzeitverlängerung von bis zu drei Jahren, in die auch Jugendliche aus kooperierenden Schulen aufgenommen werden können.
Da nach Beendigung der zehnten Klasse Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf die Berufsreife noch nicht erlangt haben, arbeiten sie an vier Wochentagen in festen Gruppen praktisch und unter Anleitung in den unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten: Hauswirtschaft, Garten- und Landschaftsbau, in der Schulimkerei oder sie tätigen Büroarbeiten.
Am fünften Tag ist Berufsschulunterricht, der sich an der praktischen Arbeit orientiert. Bis zu viermal im Jahr kann ein bis zu fünf Wochen dauerndes Praktikum absolviert werden, das auch länger dauern kann, wenn es dem Ziel, einen Arbeitsplatz zu finden, dient.
Da die BO ihr Ziel, Arbeitsplätze des Allgemeinen Arbeitsmarktes dauerhaft zu vermitteln, trotz der Vielzahl an Praktika und trotz der positiven Arbeitsgrundhaltung der Jugendlichen nur in Ausnahmefällen erreichte, möchte die Schule ihre Bemühungen auf diesem Gebiet erweitern.
So sind unter Beibehaltung der bisherigen Strukturen die Einrichtung eines Ladengeschäftes, einer Kleinbäckerei, eines Imkerei-Bedarfs-Geschäftes, einer Wäscherei und so weiter geplant, um die praktischen Erfahrungen der SchülerInnen noch mehr zu fördern.