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Dokumentart(en): Zeitschriftenbeitrag Online-Publikation
Titel der Veröffentlichung: Einkommenschaffende Maßnahmen für Menschen mit Behinderungen

Erfahrungen aus Togo

Bibliographische Angaben

Autor/in:

Mewes, Eckehard

Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft Behinderung und Dritte Welt Bundesarbeitsgemeinschaft Behinderung und Dritte Welt

Quelle:

Behinderung und Dritte Welt - Journal for Disability and International Development, 1999, 10. Jahrgang (Ausgabe 1), Seite 30-36, Essen: Eigenverlag, ISSN: 1430-5895

Jahr:

1999

Der Text ist von:
Mewes, Eckehard

Der Text steht in der Zeitschrift:
Behinderung und Dritte Welt - Journal for Disability and International Development, 10. Jahrgang (Ausgabe 1), Seite 30-36

Den Text gibt es seit:
1999

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Inhaltliche Angaben

Abstract:

Das steht in dem Text:

Die Richtung, die ein Projekt nimmt, dessen Ziel es ist, Einkommen für die Betroffenen zu schaffen, hängt nicht allein von dessen Konzeption ab, sondern ganz wesentlich von den Umständen seines Zustandekommens. Manche psychologische Faktoren in der Zusammenarbeit zwischen Gebern und Nehmern sowie nicht mit Projektzielen zusammenhängende Interessen beeinflussen Erfolg beziehungsweise Nichterfolg eines Vorhabens.

Die im folgenden beschriebenen Erfahrungen basieren auf meiner Tätigkeit als Fachberater für einheimische Organisationen beim Deutschen Entwicklungsdienst (DED) in Togo in den Jahren zwischen 1991 und 1997. Die Aufgabe eines solchen Fachberaters besteht darin, Nichtregierungsorganisationen (NRO) und Selbsthilfegruppen, aber auch Familien und Individuen zu beraten, Projektvorschläge zu prüfen und gegebenenfalls Finanzierungen zu vermitteln. Ziel solcher Maßnahmen sind die Befriedigung von Grundbedürfnissen (Zugang zu Nahrung, Kleidung, Bildung, Gesundheitsversorgung etc.).

Dabei liegt der Schwerpunkt der Unterstützung von NRO in der Organisationsberatung sowie in der Finanzierung von Programmen, Betriebskosten und Fortbildungsmaßnahmen. Bei den Selbsthilfegruppen, Familien und Individuen stehen oft einkommenschaffende Maßnahmen im Vordergrund, von denen in diesem Artikel die Rede sein soll (zum Beispiel Förderung eines Gemüseanbauprojekts, der Gründung einer Werkstatt etc.). Kleinprojekte für Menschen mit Behinderungen werden dabei in Togo nach denselben Kriterien geprüft wie andere auch, gegebenenfalls unter Berücksichtigung des durch die Behinderung entstehenden Wettbewerbsnachteils.

Die Arbeit des Fachberaters ist im Vergleich zu breiter und systematisch angelegten Programmen der Entwicklungszusammenarbeit durch große Flexibilität, Anpassungsmöglichkeit an real vorhandene Möglichkeiten und Nähe zur Zielgruppe geprägt. Die Höhe des Mittelabflusses ist im Gegensatz zu anderen Programmen kein Erfolgskriterium.

Rahmenbedingungen und notwendige Voraussetzungen für erfolgreiche Projekte sind theoretisch an anderer Stelle hinreichend abgehandelt. Ich möchte auf einige praktische Umstände hinweisen, die im Umfeld von Projektprüfung und -finanzierung das Zusammenspiel zwischen Gebern und Nehmern bestimmen, aber keinesfalls Gegenstand von Projektbeschreibungen beziehungsweise -vereinbarungen sind. Es geht vielmehr um einen Blick auf die ungeschriebenen Spielregeln und Verhaltensweisen von Gebern wie Nehmern, die im übrigen nicht nur in der Entwicklungshilfe auftreten, sondern überall auf der Welt, wo Bedürftigkeit auf Hilfsangebote trifft. In einigen Fällen möchte ich Anregungen geben, die aus meiner Arbeit erwachsen sind. Sie sind von dem in Westafrika vorgefundenen sozialen, kulturellen und politischen Kontext geprägt.

In dem wirtschaftlich völlig ausgepowerten Togo geht unter ernst zu nehmenden Vertretern internationaler Geberorganisationen der Satz um: Es gibt mehr Geld als gute Projekte. Gemeint sind die auf Geberseite bereitstehenden Gelder und die von togoischen NRO erarbeiteten und zur Finanzierung vorgeschlagenen Projekte. Die Richtigkeit dieses Satzes sei hier hintangestellt. Er wirft jedoch in jedem Falle ein Schlaglicht auf die Szene der Projektfinanzierung. Es mag absurd klingen, aber es gibt eine Art Markt, auf dem Geber um gut konzipierte Projekte konkurrieren. Das vergleichsweise geringe Angebot an der Ware Erfolg versprechendes Projekt auf der einen Seite und der Zwang zum Mittelabfluss auf der anderen Seite haben negative Folgen. Darüber hinaus haben große Geber wie die Weltbank oder die Europäische Union, die sich auch im Bereich der Kleinprojekte engagieren, keinen Blick für das Detail.

Für den Bereich einkommenschaffender Maßnahmen bedeutet dieses u. a.:
1) Auf dem beschriebenen Markt tummelt sich als Mittler zwischen Gebern und Antragstellern eine Unzahl von Nichtregierungsorganisationen, die man getrost als Projektmakler bezeichnen kann. Gegenüber den Antragstellern aus den einfachsten Schichten weisen sie sich als Spezialisten im Umgang mit den weißen Geldgebern aus, gegenüber den Gebern kehren sie ihre Nützlichkeit als Berater und Betreuer der benachteiligten Gruppen heraus. Die von den Mittlern gestellten Anträge liegen dann in der Tat in ihrer Diktion auf der Wellenlänge der Geber: Nachhaltigkeit, Synergieeffekte, Frauenförderung, ökologische Aspekte und der von der jeweiligen Organisation erwartete Eigenbeitrag sind heute integraler Bestandteil von Anfragen, die durchaus im Namen analphabetischer Personengruppen eingereicht werden.

Nur: falls es jemals eine Beratung dieser Gruppen gegeben hat, so endet diese mit der Finanzierung des Projekts beziehungsweise nach Erhalt des in der Finanzierung vorgesehenen Anteils für die Betreuung. Es ist in der täglichen Arbeit eines Projektprüfers ein außerordentlich mühseliges und zeitaufwendiges Verfahren, aus allen Anfragen dieser Art die wenigen herauszufiltern, die ein genaueres Hinsehen rechtfertigen. Es ist ja eben nicht die Aktenlage, sondern der wiederholte Besuch der Gruppen und Organisationen vor Ort - oft weit abgelegen -, der zu einer verlässlichen Entscheidung führt.

2) Einzelne Kleinprojekte werden so reichlich mit Mitteln ausgestattet (und dieses häufig auf Subventionsbasis) , dass den geförderten Kleinstunternehmern jeglicher Bezug zur Rentabilität des Vorhabens verloren geht. Wenn sich Bittstellerei als lukrativer erweist als das Erwirtschaften von Gewinnen, bleibt der Wille zur Selbsthilfe auf der Strecke. Warum sollte ein Gemüsebauer, der in einer Landwirtschaftssaison den Gegenwert einer Schubkarre erwirtschaftet, aus diesem Gewinn Rücklagen bilden, ein Sparguthaben anlegen oder dieses Geld reinvestieren, wenn der direkte Gang zum Geldgeber erfolgversprechender ist?

3) Diese durchaus gängige Überausstattung bedeutet auch (und das ist von manchen Gebern einkalkuliert), dass oft in den Taschen all derer, die bei der Vermittlung der Finanzierung direkt oder indirekt beteiligt waren, etwas hängen bleibt. Kommt es nun lediglich zu einer bedarfsgerechten Finanzierung, so geraten die Initiatoren des Projekts regelmäßig in den Verdacht, all das vermeintlich darüber hinaus gezahlte Geld nur in die eigenen Taschen gewirtschaftet und nichts an die sonstigen Helfer und Helfershelfer weitergeleitet zu haben. Wie oft bin ich bei Geldübergaben in Dörfern von unseren jeweiligen Projektpartnern gebeten worden, offiziell und in aller Öffentlichkeit zu erklären, dass außer dem nachvollziehbaren Betrag für das Projekt keine weiteren Zahlungen geleistet wurden. Wer ehrlich ist, macht sich verdächtig.

Ein weiteres Problem, das unabhängig von der Frage des Finanzierungsumfangs immer wieder auftritt, hat seine Ursache in der Unsicherheit, mit der die im Umgang mit den Gebern weniger geschulten Antragsteller ihre Projektvorschläge entwerfen:

4) Die Antragsteller gehen bei der Projektkonzeption häufig nicht von ihren eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Fähigkeiten aus, sondern nehmen als Grundlage einen Projektantrag, der vom Geber xyz schon einmal für einen anderen Antragsteller bewilligt worden ist und schreiben ihn mehr oder minder ab in der Hoffnung, dass er auch für sie genehmigt wird. Da kommt es vor, dass man Wassereimer braucht und Gießkannen beantragt. Auch hier ist sichtbar, welchen Aufwand es verlangt, solche Gruppen zur Wahrnehmung ihrer eigenen Interessen zu ermuntern. Der Weg bis zu dem Punkt, wo Geber und Nehmer so etwas wie Partner werden, kann in solchen Fällen sehr lang und von Enttäuschungen gekennzeichnet sein. Manchmal sind jedoch Ablehnungen von Projektvorschlägen durchaus produktiv und am Ende eines solchen Prozesses steht die Gruppe auf so soliden Füßen, dass es zu einer erfolgreichen Durchführung des Projektes kommt.

Neben diese überall anzutreffenden Schwierigkeiten treten weitere, wenn auf Nehmerseite Menschen mit Behinderungen stehen.

5) Es besteht seitens der in der Entwicklungszusammenarbeit angesiedelten Organisationen die Tendenz, Projektanträge von Menschen mit Behinderungen an karitative Organisationen weiterzuleiten, auch wenn das Anliegen keinesfalls einen karitativen Charakter hat, etwa das Ersuchen um Unterstützung für einkommenschaffende Projekte im handwerklichen oder landwirtschaftlichen Bereich. Diese Tendenz ist auf Geberseite von der Furcht geleitet, dass Menschen mit Behinderungen aufgrund ihrer Beeinträchtigungen noch weniger als andere in der Lage sein werden, mit ihrer wirtschaftlichen Aktivität eines Tages auf eigenen Füßen zu stehen. Ein solches Behindertenprojekt steht somit in der Gefahr, nie die "Übergabereife" zu erlangen, d.h. auf unbestimmte (und damit) sehr lange Zeit von Subventionen abhängig zu bleiben. Ähnliche Zurückhaltung der Geber ist aus denselben Gründen bei Sozialprojekten (Straßenkinder, Gefangenenbetreuung...) zu beobachten.

Kirchliche oder kirchennahe Träger in Entwicklungsländern haben oft einen längeren Atem als etwa die staatlichen Organisationen der Entwicklungshilfe, was sie in dieser Hinsicht zunächst zu geeigneteren Partnern solcher Projekte macht. Dennoch darf gefragt werden, ob der karitative Ansatz das Selbsthilfepotenzial der Betroffenen in optimaler Weise freisetzt und ob alle auf karitativer Ebene handelnden Organisationen die fachliche Begleitung (Buchführung, Marktanalyse, Kosten-Ertrags-Rechnung, Düngemitteleinsatz etc.) eines solchen produktiven Projektes gewährleisten können.

6) Manche der auf dem Felde der Wohltätigkeit agierenden Vereine und Organisationen leben in starkem Maße von der Außendarstellung ihrer Arbeit, wobei quantitative vor qualitativen Aspekten Vorrang haben. So kann es sein, dass die Zahl der in einer Lehrwerkstatt ausgebildeten behinderten Menschen auf einmal wichtiger wird als zum Beispiel die Nachbetreuung von Abgängern, weil alleine die publizierte Zahl von Ausgebildeten bei der Akquisition von Spendengeldern für werbewirksam gehalten wird. Auch wenn solche Fälle mit Sicherheit eher Ausnahme als Regel sind, so halten sie sich doch mit einer gewissen Hartnäckigkeit auf der Szene.

7) Ohne selbst jemals auf Fälle von Selbstverstümmelung gestoßen zu sein, so habe ich doch weit unterhalb dieser Schwelle des öfteren die "Pflege" einer Behinderung angetroffen, weil die Befürchtung bestand, ohne sie den Zugang zu einer Finanzierung zu verlieren beziehungsweise sie gar nicht zu erhalten. Ich stieß zum Beispiel einmal auf einen jungen Mann, der einer Landwirtschaft betreibenden Gruppe von Sehbehinderten angehörte, die ihren Sitz nahe einer Augenklinik hatte. Er ist trotz niedriger Behandlungskosten nie zur Untersuchung in dieses Krankenhaus gegangen. Projekte dieser kleinen Gruppe sind übrigens von mehreren kirchlichen und kirchennahen und Trägern über die Jahre hinweg finanziert und betreut worden, ohne dass jemals die Frage nach den nahe gelegenen Behandlungsmöglichkeiten gestellt worden wäre. Es zeigt sich in manchen Fällen eben auch, dass Helfer ohne Hilfsbedürftige in den Grundfesten ihres Selbstverständnisses erschüttert werden können.

8) Die alleinige Tatsache einer noch so bescheidenen Unterstützung für einen behinderten Menschen durch eine - wie es oft so schön heißt - internationale Organisation bringt erhebliche Bewegung in das soziale Gefüge der betroffenen Familie. Oft wird der Mensch mit einer Behinderung als eine Last, ja sogar Scham für die Familie empfunden. Ein junger Mann mit Kinderlähmung konnte dank eines Rollstuhls, für den ich einen Spender gefunden hatte, seinen Schulbesuch auf der Oberstufe eines Gymnasiums fortsetzen. Zuvor war er von seinem Vater aus dem Hause geworfen worden. Da der Sohn nicht nur den Rollstuhl bekommen hatte, sondern ab und zu auch noch Besuch von einem Weißen, wiedererwachte auf einmal das Interesse des Vaters an seinem Sohn. Nach zweijähriger Unterbrechung besuchte er ihn zum ersten Mal wieder. Hier führt der Kontakt mit dem Geber zu einer wünschenswerten Stärkung der sozialen Rolle des Menschen mit einer Behinderung. Auf der anderen Seite besteht auch die Tendenz zur Funktionalisierung der Behinderung. Schließlich möchte man an der Förderung des zuvor allenfalls geduldeten Familienmitglieds teilhaben. Kollegen haben mir in den buntesten Farben jene Fälle geschildert, in denen ganze Familien von der Unterstützung eines behinderten Mitglieds leben.

9) Fast alle Geber im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit fördern nicht Einzelpersonen, sondern nur Gruppen, die sich eine Satzung und Statuten gegeben haben. In der Realität zeigt sich, dass viele dieser Gruppen sich lediglich in Erwartung einer möglichen Projektfinanzierung zusammengefunden haben. Dieses hat als einziger Zusammenhalt in der Regel keine Tragfähigkeit. Die Gruppe zerbricht, wenn die Finanzierung nicht eintrifft oder spätestens, wenn das für das Projekt vorgesehene Geld verbraucht ist. Schließen sich Menschen mit Behinderungen zu Gruppen zusammen, so stehen neben einem ja möglicherweise auch erwogenen Förderungsantrag andere Gemeinsamkeiten im Vordergrund. Ähnlich wie bei Familien oder religiös motivierten Zusammenschlüssen steht bei der Projektprüfung der Zusammenhalt der Gruppe als solcher kaum in Frage.

Viele der oben genannten Mechanismen, die zumindest aus Gebersicht die jeweiligen Projektziele verfälschen, sind im Großen kaum beeinflussbar. Der Überausstattung von Projekten könnte im Prinzip durch Absprachen unter den Gebern entgegengetreten werden. Die Notwendigkeit, die Aktivitäten der Geber vor Ort zu koordinieren, wird denn auch in der Regel von allen Beteiligten gesehen. Man könnte nicht nur Finanzierungsbedingungen abstimmen, sondern auch Doppelfinanzierungen desselben Projekts vermeiden, im positiven Fall ergänzend jeweilige Programmteile übernehmen, etc. Doch die Einzelinteressen von Gebern verhindern meist wirksame Übereinkünfte. Die Landschaft der Geld gebenden Organisationen stellt sich aus Sicht der potenziellen Zielgruppe als unübersichtlicher Dschungel dar, in dem jeder etwas anderes von ihr erwartet: Eigenanteile in Bargeld oder Arbeitsleistung? 25 Prozent oder 33 Prozent oder von Fall zu Fall verschieden? Rückzahlung eines Kredits oder lediglich die Abrechnung einer Subvention? Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Es bleibt, als verantwortlicher Fachberater in jedem Einzelfall den Prinzipien einer eigenen Förderungskultur zu folgen.

Als das wichtigste unter diesen Prinzipien erscheint mir der Grundsatz, dass jede Initiative und Projektidee von der den Antrag stellenden Gruppe auszugehen hat. In vielen Programmbeschreibungen ist von partizipativen Methoden die Rede, davon, dass die Betroffenen in jeder Phase eines Programms beteiligt sein müssen. Dieses ist nach meiner Auffassung zu wenig: derartige Formulierungen verdecken kaum, dass eine Beteiligung am Projekt von außen an die "Betroffenen" herangetragen wurde. Ein "Betroffener" wird dieses jedoch nicht durch das Programm einer Entwicklungshilfeorganisation. Im Falle einzelner Kleinprojekte sollte der Geldgeber in keinem Fall als Ideengeber auftreten. Die Frage nach Projekttypen, die der DED finanziert, habe ich immer mit Zurückhaltung beantwortet, um zu vermeiden, dass sich die anvisierte Tätigkeit an vermeintlichen Angeboten des DED orientiert und nicht auf eigene Ansätze zurückgreift. Natürlich findet eine solche Zurückhaltung ihre Grenzen in der auch gebotenen Transparenz der Finanzierungsbedingungen.

Auch bei der Entscheidung, ob eine einkommensschaffende Maßnahme durch Subvention oder Kredit gewährt wird, geht es um die Frage, inwieweit das Projekt ein "eigenes" ist. Mit verlorenen Zuschüssen kalkuliert man anders als mit Geld, das man aus dem Projekt als Gewinn erwirtschaften (und teilweise zurückzahlen) muss. Nun ist es bei den äußerst geringen Gewinnspannen sehr schwierig, und letztlich demotivierend, den Gegenwert einiger für die Durchführung eines Projektes notwendigen Investitionen über Jahre hinweg zurückzuzahlen, ohne etwas für den täglichen Bedarf abzweigen zu können.

Für Menschen mit Behinderungen ist die Lage häufig noch schwieriger. Man kann sagen, dass es unrealistische Rückzahlungserwartungen gibt. Diese Überlegung hat beim DED in Togo zu folgendem Modell geführt: der Investitionsanteil wird als verlorener Zuschuss gegeben, das Umlaufkapital auf Kreditbasis gewährt. Es gibt viele Gruppen, denen wirtschaftliche Grundbegriffe fremd sind, zum Beispiel ist der Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn oft nicht geläufig. Durch die Rückzahlung des Umlaufkapitals wird zumindest deutlich, ob am Schluss noch etwas in der Kasse bleibt, was als Gewinn betrachtet werden kann (von der Amortisierung einmal abgesehen) . Ein solches Verfahren kann auch als ein erster Schritt verstanden werden, die Gruppe an ein formaleres Kreditsystem heranzuführen.

Die Frage nach der fehlenden Fachkompetenz bei einigen wohltätigen Organisationen ist lösbar, wenn diese mit einer Organisation der Entwicklungshilfe kooperieren. Ist die karitative Organisation Geber, so muss sie ihrem Partner bei Durchführung von Programmen und Projekten eine relativ freie Hand lassen. Auch ein anderer Fall der Zusammenarbeit ist interessant: der DED finanzierte einmal ein Projekt für Sehbehinderte, wobei Frauen und Männer der Kirche, die diese jungen Leute lange kannten, für deren moralische Integrität bürgten. Die fachliche Begleitung sicherte der DED. Diese Zusammenarbeit führte zu einem erfolgreichen Abschluss des Vorhabens.

LITERATUR:

- MEWES, E.: Vom Partnerschaftshelfer zum Fachberater für einheimische Organisationen. In DED-Brief 1/95 (Zeitschrift des Deutschen Entwicklungsdienstes)
- MEWES, E.: "Le crédit" ist nicht einfach ein Kredit. In: DED-Brief Nr. 1/97
- TEUBER, G.: 20 Jahre aktiv im zweiten Gesellschaftszweck. In: DED-Brief Nr. 1/95
- WAHL, S.: Die Kunst, die förderungswürdigen Gruppen herauszufinden. In: DED-Brief Nr. 1/95

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Heute: Behinderung und internationale Entwicklung - Disability and International Development
https://www.bezev.de/de/institut-fuer-inklusive-entwicklung/...

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Heute: Behinderung und internationale Entwicklung - Disability and International Development
https://www.bezev.de/de/institut-fuer-inklusive-entwicklung/...

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A project, which aims to produce an income for disabled people in Togo

The direction that a project, which aims to produce an income for its target group, takes, depends not only on its original plan but also quite fundamentally on circumstances of its creation. Many psychological factors in the cooperation between givers and takers, as well as interests unrelated to the aims of the project, influence its success or failure.

Referenznummer:

R/ZA0097/0012

Informationsstand: 13.09.2021