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Dokumentart(en): Sammelwerksbeitrag Forschungsergebnis Online-Publikation
Titel der Veröffentlichung: Operationalisierung des Ergebnisses von beruflichen Bildungsmaßnahmen: Potenzial der Routinedaten der Deutschen Rentenversicherung

Vortrag auf dem 20. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 14. bis 16. März 2011 in Bochum

Obertitel:

Nachhaltigkeit durch Vernetzung

Autor/in:

Bestmann, Anja; Zollmann, Pia

Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)

Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2011, Seite 225-227

Jahr:

2011

Der Text ist von:
Bestmann, Anja; Zollmann, Pia

Den Text gibt es seit:
2011

Online-Publikation anzeigen (in: Reha-Kolloquium 2011) (HTML)

Beschreibung:

Das steht in dem Text:

Hintergrund:

2008 wurden von der gesetzlichen Rentenversicherung 1.106,9 Millionen Euro für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben aufgewandt. Darunter sind die beruflichen Bildungsmaßnahmen aufgrund ihrer Dauer (in der Regel 1 bis 2,5 Jahre) ein erheblicher Kostenfaktor für die Rentenversicherung. Es stellt sich daher die Frage, ob und in welchem Maße es gelingt, Rehabilitanden
nach beruflichen Bildungsmaßnahmen wieder in Erwerbstätigkeit zu integrieren.

Methodisch stehen verschiedene Herangehensweisen zur Messung des Ergebnisses beziehungsweise der beruflichen Eingliederung nach einer Bildungsmaßnahme zur Verfügung. Sie unterscheiden sich unter anderem bezüglich der Interessen der Akteure, ihrer konkreten Fragestellung, der zur Verfügung stehenden Datengrundlage, der definierten Bezugspopulation und der ausgewählten statistischen Analysemethoden (Grünbeck, Klosterhuis, 2006).

Der vorliegende Beitrag stellt für die Routinedaten der Rentenversicherung dar, wie das Ergebnis einer Bildungsmaßnahme und die berufliche Eingliederung nach einer Maßnahme operationalisiert werden können und welche Auswirkungen die zugrunde gelegte Bezugspopulation und die verwendeten Analysemethoden auf das Auswertungsergebnis haben.

Datengrundlage und Methodik:

Datengrundlage ist die Reha-Statistik-Datenbasis (RSD)-Längsschnitterhebung 2008. Die Längsschnitterhebung umfasst unter anderem Versicherte, die innerhalb eines Zeitfensters von acht (Rehabilitation, Rente) beziehungsweise elf (Versicherung, Beiträge zur Rentenversicherung) Jahren einen Reha- oder Rentenantrag gestellt haben. Die Eingliederung in die Erwerbstätigkeit wird im Datensatz anhand der Datenmeldungen der Arbeitgeber als „pflichtversicherte Beschäftigung“ zu den Zeitpunkten sechs Monate und zwei Jahre sowie über einen Zeitraum von zwei Jahren (mindestens einen Monat erwerbstätig) nach Beendigung der Bildungsmaßnahme operationalisiert.

Die Analyse erfolgt gesondert für
a) Rehabilitanden mit erfolgreichem Abschluss (gleich erfolgreich) und
b) nicht erfolgreichem Abschluss beziehungsweise Maßnahmeabbruch (gleich nicht erfolgreich). Die Daten werden deskriptiv unter anderem mit Hilfe einer Sterbetafelanalyse ausgewertet (SPSS 18).

Ergebnisse:

2005 schlossen insgesamt 26.199 Rehabilitanden ihre berufliche Bildungsmaßnahme ab: 17.099 Teilnehmer (65 Prozent) beendeten die Maßnahme regulär (gleich erfolgreich) und 4.525 (17 Prozent) brachen ihre Maßnahme ab oder bestanden die Abschlussprüfung nicht (gleich nicht erfolgreich). Für weitere 4.575 (18 Prozent) Rehabilitanden lag das Ergebnis der Maßnahme nicht vor. Die beiden Zeitpunktmessungen 6 und 24 Monate nach der Bildungsmaßnahme zeigen für die erfolgreichen Rehabilitanden berufliche Eingliederungsquoten von 38 Prozent und 50 Prozent gegenüber Integrationsquoten von 14 Prozent und 24 Prozent für die nicht erfolgreichen.

Aus den kumulierten Wiedereingliederungsraten wird deutlich, dass von den erfolgreichen Rehabilitanden innerhalb von 24 Monaten 66 Prozent mindestens einmal für einen Monat erwerbstätig waren, bei den nicht erfolgreichen waren es nur 35 Prozent.

Weiterhin waren Frauen zu den Zeitpunkten 6 beziehungsweise 24 Monate nach Maßnahmeabschluss etwas seltener versicherungspflichtig beschäftigt als Männer (6M: 32 Prozent versus 34 Prozent, 24 M: 41 Prozent versus 46 Prozent, kumulative Messung: 56 Prozent versus 60 Prozent). Eine Stratifizierung für die Maßnahmearten zeigt zudem für Teilnehmer der beruflichen Weiterbildung höhere Integrationsquoten als für die qualifizierenden und Integrationsmaßnahmen (24 M: 50 Prozent versus 44 Prozent, versus 37 Prozent kumulative Messung: 62 Prozent versus 60 Prozent versus 52 Prozent).

Schlussfolgerung:

Die Wiedereingliederung nach beruflichen Bildungsmaßnahmen variiert in Abhängigkeit zur verwendeten Methodik und definierten Bezugspopulation. Eine einseitige Betrachtung der empirischen Befunde birgt die Gefahr einer Unterschätzung beziehungsweise Überschätzung des Ergebnisses. Eine vollständige und unverzerrte Abbildung der Wiedereingliederung sollte daher neben
der Zeitpunktmessung und der kumulativen Beschreibung der beruflichen Eingliederung auch die zugrunde gelegte Bezugspopulation in den Fokus nehmen. Zu prüfen ist hierbei auch die Bedeutung verschiedener Einflussfaktoren auf die Wiedereingliederung, wie zum Beispiel Arbeitsmarktlage, Rehabilitandencharakteristika/Heterogenität von Rehabilitandengruppen und leidensgerechte berufliche Tätigkeit.

Wo bekommen Sie den Text?

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium
https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Referenznummer:

R/NV336633

Informationsstand: 03.06.2025